Damit es nicht zu einer Außen- oder Kellerwanddurchfeuchtung kommt, sollte das über das Dach ablaufende Regenwasser über ein Dachentwässerungssystem abgeführt werden.
Eine richtig funktionierende Dachentwässerung setzt voraus, dass grundlegende Faktoren, so z. B. die Wärmeausdehnung, Kapillarität, Wasserdampfdiffusion, Kondenswasserbildung, Korrosion sowie das Ablaufverhalten des Wassers, beachtet werden.
Ein Dachentwässerungssystem besteht aus
  •   Dachrinne
  •   Rinneneinlauf
  •   Regenfallrohr
  •   Standrohr
Dachrinnen
Dachrinnen fangen das Regenwasser von der Dachfläche auf und leiten es zu Regenfallrohren. Die Rinnenarten werden nach der Form, nach der Art der Anbringung und nach der Lage unterschieden.
Form
      •   halbrunde Rinne
      •   kastenförmige Rinne
      •   Shedrinne
      •   Kehlrinne
Art der Anbringung
      •   vorgehängte Rinne
      •   liegende Rinne
      •   stehende Rinne
Lage
      •   außenliegende Rinne
      •   innenliegende Rinne
Die Nennweiten der Dachrinne wird über den Rinnenquerschnitt ermittelt und über den verwendete Halbkreis oder Rechteckfläche festgelegt. An der Vorderseite der Rinne befindet sich ein Wulst, der als Versteifung, zum Zusammenstecken der Bauteile und als Zierelement vorhanden ist. Der Wasserfalz ist eine versteifende Abkantung an der Dachseite der Rinne. Die mindestens 8 mm Überhöhung des Wasserfalzes gegenüber dem Wulst ist ein Notüberlauf. Das Endstück (Rinnenboden) verschließt das Rinnenprofil an den Enden und Richtungsänderung besten aus Rinnenwinkel (Innen-l und Außenwinkel). Der Ablauf der Dachrinne zum Fallrohr geht durch Rinnenstutzen oder Rinnenkessel.
Die Befestigung der Dachrinnen erfolgt durch Rinnenhalter, die nach DIN EN 1462 geplant werden müssen. Die Rinnenhalter werden entweder auf der Traufbohle, dem Sparren (evtl. auch seitlich) oder an der Wand befestigt.
Die Rinnenhalter müssen ausreichend groß dimensioniert werden, um den Anforderungen zu entsprechen. Die DIN EN 1462 / DIN 612 gliedert die Rinnenhalter in vier Beanspruchungsreihen.
Rinnenhalter
Zuordnung der Beanspruchungsreihe von Rinnenhaltern zum maximalen Befestigungsabstand

Abstand

Beanspruchung
± 40 mm
üblich/Reihe
hoch/Reihe
700 mm
1
3
800 mm
2
4
900 mm
3
Drehhalter

 

Bei hohe Schneelasten oder zu weit auseinander liegende Rinnenhalter-abständen können Wulsthalter (Spreize, Brieden, Übereisen) das Abknicken der Rinne verhindern.
Die Wulsthalter greifen über die Rinnenwulst und werden auf der Traufe befestigt. Dadurch wird der gefährdete Wulstbereich bei Belastung oben gehalten und unterstützt somit durch ein zusätzliches Auffangen der Last die normalen Rinnenhalter.
Wulsthalter
Quelle: Lemphirz
Bei der Ausdehnung von Regenrinnen geht man von einem Wärmeunterschied von 100 K (- 20 °C bis + 80 °C) aus.
Richtwerte für die Anordnung von Dehnungsausgleichern:
  • 6 m Einfassungen in der Wasserebene: Winkelanschluß, Rinneneinhang, Dachrandeinfassung, Sheddachrinne
  • 8 m Mauerabdeckungen; Dachrandabschlüsse außerhalb der Wasserebene; innenliegende, nicht eingeklebte Dachrinnen, Zuschnitt > 500 mm
  • 10 m Innenliegende, nicht eingeklebte Dachrinnen, Zuschnitt < 500 mm; Hängedachrinnen, Zuschnitt > 500 mm
  • 15 m Hängedachrinnen in Standardgrößen nach DIN EN 612

Rinneneinläufe und Rinnenablaufstutzen sollen trichterförmig sein. Für die Berechnung von Regenfallrohren werden konische Einläufe zugrunde gelegt. In der Regel verwendetl man trichterförmige Rinneneinhangstutzen. Rinnenkessel werden meistens bei Sanierungsarbeiten eingesetzt.

Die Verbindung zwischen Rinnenstutzen und Regenfallrohr
  •   Schwanenhälse aus Bögen
  •   Schweizerbögen (Gliederbögen)
  •   konische oder zylindrische Schrägrohre
Außenliegende Regenfallrohre sind nach DIN EN 612 genormt. Meistens werden kreisförmigen Rohre eingesetzt, aber auch Rohre mit quadratischem Querschnitt sind möglich.
Die Nennweiten werden nach DIN EN 12056 und nach DIN 1986-100 ermittelt. Bei der Montage ist folgendes zu beachten:
      •   Rohrschellenabstand bis DN 100 = 3,00 m, über DN 100 = 2,00 m
      •   lichter Abstand der Regenfallrohre = 20 mm vom fertigen Wandbelag
      •   sichern der Regenfallrohre gegen Durchrutschen durch Wulste oder Halbwulste
      •   Stecktiefe = 50 mm bei ungelöteten Rohren
      •   Einbau eines Schiebestückes vor Einmündung in die Grundleitung als Reinigungsöffnung
      •   Standrohr aus PE-HD, Grauguss oder Stahl, als Schutz und als Anschluss an die Grundleitung
      •   Anbringen einer Standrohrkappe am Übergang vom Regenfallrohr zum Standrohr
      •   Laub- und Sandfänge vorsehen
      •   Regenfallrohre, die im Mischsystem entwässert werden und deren Abstand zu Fenstern oder Türen von Aufenthaltsräumen weniger als 2,00 m beträgt, sind mit einem frostfrei eingebauten Geruchverschluss zu versehen
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