| Außentemperaturgeführte
Vorlauftemperaturregelung |
Moderne Heizungen
sind meist außentemperaturgeführt,
d.h. die Vorlauftemperatur wird von der Regelung aufgrund einer
eingestellten Heizkurve (Heizkennlinie) und der Aussentemperatur
berechnet.
Dabei wird zwar eine Soll-Raumtemperatur eingestellt,
diese wird aber nur dann einigermassen genau erreicht, wenn
die eingestellte Heizkurve zum Haus (Bauart,
Dämmung, Luftdichte) bzw. zur Anlage (Art
der Heizflächen [Radiatoren- oder Plattenheizkörper,
Konvektoren, Flächenheizung]) passt; bei einer rein witterungsgeführten
Anlage erhält die Regelung keine Rückmeldung über
die effektiv erreichte Raumtemperatur. Deshalb ist es wichtig,
dass die Heizkurve “richtig” eingestellt wird. |
Die richtige Einstellung
der Heizkurve ist bei der Installation der Heizung nur schwierig
vorzunehmen, da der InstaIIateur nur kurze Zeit im Haus ist
oder die Installation in der wärmeren Jahreszeit stattfindet.
Die endgültige Einstellung (Feintuning)
und der endgültige hydraulische
Abgleich können nur in der ersten Heizperiode
bei Außentemperaturen unter + 5 °C durchgeführt
werden. Auch sollte jede Fremdwärme (Sonneneinstrahlung,
interne Wärmequellen [elektrische Geräte, Kaminofen,
viele Personen]) ausgeschlossen sein. Da dieser Vorgang sehr
zeitaufwendig ist, wird er meistens und sinnvollerweise unter
Anleitung des Fachbetriebes vom Betreiber selber durchgeführt. |
Eine zu hohe "Sicherheitseinstellung"
benötigt unnötig viel Energie und führt auch bei einen
richtigen hydraulischen Abgleich zu einem unwirtschaftlichen
Betrieb der Anlage. Sollte die Heizkurve noch auf "Werkstellung"
stehen, dann ist auch kein ordentlicher Abgleich möglich. |
| Was kann man einstellen (wie wird
die Heizkurve definiert)? |
Die Heizkurve ist je
nach Hersteller und/oder Regler unterschiedlich definiert. |
Die einfachste
Heizkurve ist eine Gerade, die durch
mindestens 2 Punkte bestimmt ist, z. B. bei einer Aussentemperatur
von +10 °C Vorlauf 40 °C, bei einer Außentemperatur
von -10 °C Vorlauf 60 °C, die übrigen Werte sind
linear. |
Die meisten
Heizkurven sind jedoch irgendwie "gekrümmt",
um z. B. die Wärmeabgabe der Heizkörper bzw. Fußbodenheizung
realistischer abzubilden. |
Bei vielen Heizkurven
können nur 2 Werte eingestellt werden,
meistens die Neigung (Steigung)
und die Soll-Raumtemperatur, oder die Neigung
und eine Parallelverschiebung (Niveau),
oder die Neigung und der Fußpunkt (Kurvenbeginn). |
Bei manchen Herstellern/Reglern
wird die Heizkurve durch 3 Parameter bestimmt:
Neigung, Niveau und Soll-Raumtemperatur.
Dabei ist die Neigung die Steigung der Kurve, das Niveau eine
Parallelverschiebung der gesamten Kurve senkrecht nach oben/unten
und die Änderung der Soll-Raumtemperatur bewirkt eine Verschiebung
der gesamten Kurve entlang einer schrägen Raumtemperaturgeraden.
Siehe dazu die ersten 3 Grafiken mit einer Verschiebung der
Heizkurve mit Neigung 7,5 (herstellerspezifisch) nach einer
um 5 °C höheren bzw. niedrigeren Soll-Raumtemperatur. |
| Die Neigung
oder Steilheit der Heizkurve definiert, um
wieviel sich die Vorlauftemperatur je nach Außentemperatur
ändern soll (siehe Abbildung 4). Die möglichen Neigungen
sind je nach Hersteller stark unterschiedlich, viele Regler
verwenden Neigungen im Bereich von 0,1 bis ca. 3,5. Bei Fußbodenheizungen
bewegt man sich bei der Steilheit eher im Bereich von 0,5 (also
flachere Kurve) und bei Heizkörpern wird die Kurve steiler
sein (z. B. 1,3). Je schlechter das Haus gedämmt ist, desto
steiler muss in der Regel die Heizkurve sein.
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Mit dem Niveau
wird die ganze Heizkurve senkrecht nach oben bzw.
unten verschoben (siehe Abbildung 5). Damit können
z.B. ungenaue Anzeigen von Temperatursensoren ausgeglichen werden
oder generell die Heizkurve korrigiert werden, wenn es bei allen
Außentemperaturen immer etwa gleich viel zu warm bzw.
zu wenig warm wird. |
| Ein paar Tipps zum Einstellung
der Heizkurve |
Beim Einstellen müssen
im betrachteten Referenzraum (meist der ungünstigste, kälteste
Wohnraum) die Thermostatventile voll geöffnet werden. Wenn die
Thermostatventile nicht geöffnet sind, dann könnte es sein,
dass die Thermostatventile ein Überangebot an Wärme abdrosseln
würden. Das Ziel ist eine möglichst flache und niedrige
Heizkurve, also eine Heizkurve, die gerade noch zur Beheizung
der Räume ausreicht, ohne dass die Ventile ohne Fremdwärmeeinfluss
schließen. |
Sie sollten jede Verstellung
einen oder zwei Tage Iang kontrollieren (thermische Trägheit
des Hauses), und zwar möglichst an Tagen ohne intensive Sonneneinstrahlung.
Die gewünschten Raumtemperaturen sollte gerade noch erreicht
werden. Und noch einmal, eine Veränderung der Steilheit sollte
nur an kalten Tagen vorgenommen werden (eine Verstellung wirkt
sich ja insbesondere an den kalten Tagen spürbar aus). Wenn
die Verstellung in der Übergangszeit vorgenommen wird, sollten
Sie die Kurve nicht zu stark verstellen. |
Bei der Verstellung
der Parallelverschiebung ist die Außentemperatur nicht so relevant.
Machen Sie ausreichend Aufzeichnungen über die Temperaturen.
Mit diesem Protokoll können Sie schneller zur passenden Einstellung
kommen. |
Energiespartipp: |
Wenn in Ihrem Haus die
Temperatur immer passt, dann stellen Sie doch die Parallelverschiebung
einmal um 10% vom bisherigen Wert nach unten. Wenn es immer
noch warm genug ist, haben die Thermostatventile bisher ein
Überangebot an Wärme bekommen und die Vorlauftemperatur
war "Fremdwärme". |
Reduzierter
Betrieb / Nachtabsenkung: |
Beim Einstellen des
reduzierten Betriebs (Nachtabsenkung / Abschaltung)
ist genau zu überprüfen, was die Einstellung bewirkt.
Falls die Absenkung durch Einstellung einer niedrigeren Soll-Raumtemperatur
erfolgt, dann hat diese Soll-Raumtemperatur meist KEINEN Zusammenhang
mit der effektiv während ein paar Stunden Absenkung erreichten
Raumtemperatur, sondern sie senkt nur die Heizkurve etwas ab,
d.h. es wird im reduzierten Betrieb nur mit leicht niedrigerer
Vorlauftemperatur geheizt. Wenn dagegen Nachtabschaltung erreicht
werden soll (also kein Heizen), dann muss die Soll-Raumtemperatur
für den reduzierten Betrieb auf einen ganz niedrigen Wert
gestellt werden (z.B. 3 °C), damit die Heizkurve ausreichend
abgesenkt wird, sodass nachts gar nicht geheizt wird. |
Außentemperaturgeführte
Anlagen mit zusätzlichem Raumeinfluss: |
Auch bei diesen muss
die Heizkurve richtig eingestellt werden, denn der Raumeinfluss
(Berücksichtigung der effektiven Raumtemperatur) kann eine
falsch eingestellte Heizkurve meist nur beschränkt korrigieren.
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Wichtig:
Zum Einstellen der Heizkurve muss der Raumeinfluss ganz ausgeschaltet
sein! |
Ich bedanke mich bei @Kathrin
aus dem HaustechnikForum
für die aktive Mitarbeit an dieser Seite.
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