Richtig Lüften

Geschichte der Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Solartechnik

Abkürzungen im SHK-Handwerk

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Immer mehr Wohngebäude werden aufwendig gedämmt und luftdicht gebaut bzw. renoviert. Ein natürlicher Luftwechsel durch undichte Fenster und Fassaden ist nicht mehr vorhanden. Auch die natürlichen Kondensationsflächen (kalte Fensterflächen) werden durch neue Isolierglasfenster beseitigt.
So wird natürlich Energie gespart, aber die Folge ist, dass es immer mehr unbelüftete Räume gibt und die Räume feucht werden, was zu Schimmelpilzbefall führen kann. Dadurch können erhebliche Schäden an der Bausubstanz entstehen.  Eine immer wieder auftretende zu hohe Luftfeuchtigkeit, die sich evtl. auch an Isolierfenstern niederschlägt, kann auch auf einen Wasserschaden an Trink- oder Heizungswasserleitungen hinweisen.
In einem 4-Personen-Hausalt können an einem Tag ca. 10 bis 14 Liter Wasser in Form von Wasserdampf an die Raumluft abgegeben werden. Einige Studien gehen sogar von bis zu 15 Liter aus.
 
Liter (kg)/Stunde
Person (je nach Tätigkeit)
0,030 bis 0,200
Kochen
0,400 bis 0,800
Geschirrspüler
0,200 bis 0,400
Duschen
1,500 bis 3,000
Wannenbad
0,600 bis 1,200
Pflanzen
0,007 bis 0,020

 

2 Personen

3 Personen

4 Personen

mehr als 
4 Personen

tägliche Feuchtebelastung in Liter/Tag

8

12

14

15

Quelle: Klaus-Hermann Ries
Da vor allen Dingen in Altbauten keine Kontrollierte Wohnungs - Lüftung eingesetzt wird und z. B. durch das erneuern der Fenster der natürliche Luftwechsel nicht mehr gewährleistet ist, ist das richtige Lüften besonders wichtig.

Dichtheit des
Gebäudes

Mehrfamilienhaus
Luftwechsel bei 50 Pa in h-1

Einfamilienhaus
Luftwechsel bei 50 Pa in h-1

sehr dicht

0,5 - 2,0

1,0 - 3,0

mittel dicht

2,0 - 4,0

3,0 - 8,0

weniger dicht

4,0 - 10,0

8,0 - 20,0

Quelle: Klaus-Hermann Ries
Hygro-/Thermometer

Quelle: Dostmann

 

Quelle: PCE

 

Behagliches Raumklima und Energiesparen

Quelle: W. Frank

Freie Lüftung - Natürliche Lüftung
Grundlage des richtigen Lüftens ist der Austausch der Raumluft. Die richtige Vorgehensweise und die Dauer der natürlichen Lüftung (freie Lüftung) ist von der Temperaturdifferenz von Innen- und Außenluft und vom Windanfall abhängig. Außerdem muss nur gelüftet werden, wenn die relative Luftfeuchtigkeit zu hoch ist oder eine Schadstoffbelastung durch Einrichtungsgegenstände oder der Nutzung der Räume vorhanden ist.
Auch die "Berliner Lüftung" funktioniert trotzt Nachrüstung eines Ventilators nicht mehr, weil auf Grund der dichten Fenster bzw. Außenhülle nicht genügend Außenluft nachströmen kann.  Die "Kölner und Dortmunder Lüftung" ist in modernen Häusern ein Energiefresser, weil sie keine WRG haben und schlecht regelbar sind.

Diese sogenannte Bedarfslüftung oder Fensterlüftung ist in vielen Häusern auch heutzutage noch die einzige Möglichkeit, die Räume zu lüften. Dabei ist sie auch relativ energiesparend. Sie muss nur richtig durchgeführt werden. Hierbei kann man noch unterscheiden, ob der Hintergrund des Lüftens der Abtransport von Schadstoffen und Feuchtigkeit oder das Nachtkühlen der Wohnung ist
In den kalten Jahreszeiten ist es sinnvoll, ein Hygrometer einzusetzen, um die jeweilige relative Luftfeuchtigkeit feststellen zu können und entsprechend zu reagieren. Für gewerbliche Zwecke und Bastler ist der Einsatz eines Thermo-Hygrometer-Datenlogger zu empfehlen.
Bei den Lüftungsvorgängen sollten die Einrichtungsgegenstände und Wände nicht abkühlen, denn diese sorgen erstens zu einem schnellen Wiederaufheizen der Raumluft und zweitens müssen die Teile nicht wieder erwärmt werden.
Nicht- oder eingeschränktbeheizte Räume sollten vor dem Lüften erst einmal aufgeheizt werden, damit die Luft Feuchtigkeit aufnehmen und nach außen transportieren kann.

Ein auf Kipp stehender Fensterflügel ist eine energiefressende Art des Lüftens, denn dadurch wird kein ausreichender Luftwechsel erreicht. Außerdem kühlen bei dieser Lüftungsart die Fensterlaibungen aus, sind somit die kälteste Stelle im Raum, es kondensiert die ausströmende Luft und bieten dem Schimmelpilz  einen idealen Nährboden. Außerdem findet die Lüftung unkontrolliert statt und widerspricht dem Einbruchschutz des Gebäudes.

Die Querlüfung (Durchzugslüftung) ist die wirkungsvollste Lüftungsart. Hiebei werden die Fenster an den entgegengesetzten Gebäudeseiten und die Raumtüren der entsprechenden Räume vollständig geöffnet. Je nach Windanfall und der Temperaturdifferenz ist schon in kürzester Zeit die Raumluft ausgetauscht.

Aber auch die Stoßlüftung kann in kurzer Zeit die Raumluft austauschen. Hier wird das Fenster eines Raumes vollständig in Drehrichtung geöffnet. Je nach Höhe der Luftfeuchtigkeit der Raumluft kann man während der kalten Jahreszeitenan der Fensterfläche erkennen, wann die feuchte Luft ausgetauscht ist.

Bei der Nachtkühlung werden die Fenster erst geöffnet, wenn die Außentemperaturen erheblich niedriger gegenüber der Raumtemperatur sind. Dies wird in der Regel in den Morgen- und Vormittagsstunden sein. Hier können evtl auch gekippte Fenster ausreichend lüften.

Wer eine Lüftungszeit nennt, kennt nicht die fachlichen Hintergründe und handelt unseriös, denn wie es das Wort  - Bedarfslüftung - schon sagt, soll nach Bedarf gelüftet werden.
Auch das immer wieder geforderte Abstellen der Heizkörperventile während des (kurzen) Lüftens ist m. M. nach nicht notwendig, da das Ventil nach dem Lüften sowieso aufmacht, um die kalte Luft wieder aufzuheizen. Außerdem gibt der Heizkörper, auch wenn er abgestellt ist, weiterhin Wärme ab. Und wer stellt schon den HK ab und wartet bis er abgekühlt ist :>))
So ist es z. B. auch nicht notwendig, zu lüften, wenn niemand im Hause ist oder keine übermäßige Feuchtigkeit oder kein Schadstoffanfall vorhanden ist.
Auf der anderen Seite sollte beim Kochen ein Phrasenabzug eingesetzt werden. Nach jedem Duschen oder Baden ist grundsätzlich zu lüften und die Fliesen und die Dusch- oder Badewanne sollte trockengewischt werden, weil eine Fensterlüftung die Feuchtigkeit nicht zuverlässig abtrocknet.

Die in vielen Energiespartipps angegebenen Lüftungszeiten halte ich für sinnlos, ja sogar für fahrlässig, weil sich die Zeit einer Bedarsflüftung nach der jeweiligen Art der Lüftung und den Gegebenheiten ergibt.

Für jeden Neubau und für jede Renovierung von Altbauten ist die Erstellung eines Lüftungskonzeptes notwendig, wenn im Ein- und Mehrfamilienhaus mehr als 1/3 der vorhandenen Fenster ausgetauscht bzw. im Einfamilienhaus mehr als 1/3 der Dachfläche neu abgedichtet wird.
Die neue DIN 1946-6 (Mai 2009) zeigt Lösungsmöglichkeiten, wie ein ausreichender Luftwechsel in Wohnungen zu erreichen ist.
Lüftungsart
Luftwechselrate
Fenster zu, Türen zu
0 bis 0,3
Fenster gekippt (Spaltlüftung)
0,3 bis 1,5
Fenster kurzzeitig ganz geöffnet (Stoßlüftung)
0,3 bis 4
Fenster ständig ganz geöffnet
9 bis 15
Gegenüberliegende Fenster und Türen  ständig geöffnet (Querlüftung)
bis 40
Natürlich ist der Einsatz einer "Kontrollierten Wohnungslüftung" (KWL) die beste Möglichkeit, eine Wohnung nach dem tatsächlichen Bedarf zu lüften.

Natürliche und mechanische Nachtlüftung
Das Klima in Mittel- und Nordeuropa (einige Regionen ausgenommen) bietet gute Voraussetzungen für die passive Kühlung mit natürlicher und mechanischer Lüftung, weil auch während der heißesten Sommertage die Nächte unter 20°C abkühlen. Auch der Einsatz eines Erdwärmetauschers oder ein Luftbrunnen kann die Außentemperatur absenken. Mit diesen Temperaturen können bei richtigen Rahmenbedingungen die Wärmelasten des Tages abgeführt werden.
Die wichtigsten Rahmenbedingungen sind:
  •  Begrenzung der Wärmelasten - Kühllasten (Summe aus internen und externen Lasten)
  •  Speichermasse im Gebäudeinneren
  •  Ein auf die Nachtlüftung abgestimmtes Lüftungskonzept
Qua'a Empfangshalle
Quelle: lrz-muenchen.de
Da bei diesem Lüftungskonzept die Wärme überwiegend nur nachts abgeführt werden kann, muss vor allem die Überwärmung der Räume tagsüber vermieden werden. Dazu ist die Reduktion der Wärmelasten auf ein möglichst geringen Wert eine wichtige Voraussetzung (passive Gebäudekühlung). Ergibt die Summe aus internen und externen Lasten max. 150 Wh/m²d, so kann man davon ausgehen, dass diese Lasten durch eine Nachtlüftung abgeführt werden können.
Bei der natürlichen Lüftung werden Lüftungsöffnungen und Druckdifferenzen zwischen innen und außen benötigt. Eine Thermik über mehrere Geschosse (z. B. Treppenhaus, Wohngalerie) kann hilfreich sein. Der thermische Auftrieb wird nur dann wirksam, wenn die Raumluft wärmer ist als die Außenluft bzw. eine Druckdifferenz durch den Windanfall erzeugt wird. Es können Luftwechselraten von über 10 h-1 erreicht werden. Der große Vorteil bei der natürlichen Lüftung liegt im ausreichender Luftaustausch bei geringen Betriebskosten. Natürlich müssen die Lüftungsöffnungen am Tage geschlossen sein.

Klimagriff®
Klimagriff® - Luftfeuchte ermitteln und lüften

Ein mit einer Messtechnik ausgestatteter Fenstergriff erfasst, nachdem die Länge, Breite und Höhe des Raumes eingegeben wurden, die Temperatur und Feuchtigkeit eines Raumes und zeigt sie in einem Display an. Über ein Ton- oder Lichtsignal wird angezeigt, wann und wie lange das Fenster geöffnet werden muss. Das Gerät speichert die Werte der Griff- und Fensterflügelposition und das Lüftungsverhalten über mehrere Monate. So wird ein Lüftungsprotokoll erstellt, welches das Lüftungsverhalten des Nutzers dokumentiert und bei Streitigkeiten, z. B. bei Schimmelpilzbefall, ein richtiges Lüften nachweisen kann und Baumängel als Grund für den Befall aufzeigt.

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Feuchtigkeitsmesser
Quelle: Wetekom
Um die Feuchtigkeit in Flächen zu überprüfen, wird in der Praxis häufig die Leitfähigkeitsmessung (Elektrische Widerstandmessung) eingesetzt.

Dabei werden zwei Elektroden in den Baustoff eingelassen. Der vom Gerät erzeugte Messstrom fließt durch die Elektrode in den Baustoff und über die zweite Elektrode wieder zurück zum Gerät.

Je leitfähiger der Baustoff (Feuchtigkeit, Salze usw.) umso mehr Strom fließt zurück. Es wird ein digitaler Wert ausgegeben.
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Relative Luftfeuchte
Thermische Behaglichkeit
Kontrollierte Wohnungslüftung
Raumtemperatur max. 26 °C zulässig
Richtig heizen
Feuchtigkeitsschäden und Schimmelpilze - Klaus-Hermann Ries
Lüftung von Nichtwohngebäuden
DIN 1946-6 "Lüftung von Wohnungen"
Luftwechsel + Mindestluftwechsel
Luftwechsel durch die Fenster  - Passivhaus Institut
Darstellung im h,x-Diagramm  - Institut für Luft- und Kältetechnik GGmbH
Schimmelwächter
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Meinungen/Anregungen/Kritik
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das neue Videoportal von HaustechnikDialog mit vielen interessanten Informationen und Anleitungen aus der Haustechnik
Videos aus der SHK-Branche
SHK-Lexikon
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